svenska verkstan
0 fikapoäng
Der Schlüssel zum schwedischen Schriftbild

Neun Vokale. Zwei Familien. Der Rest folgt daraus.

Schwedisch hat neun Vokale, und sie zerfallen in zwei Gruppen: harte und weiche. Welcher Gruppe der Vokal angehört, entscheidet darüber, wie das k, g oder sk davor klingt. Wer diese eine Regel sitzen hat, liest schwedische Wörter richtig, ohne sie je gehört zu haben. Vokal anklicken.

Hårda vokaler harte Vokale — davor bleibt alles hart
Mjuka vokaler weiche Vokale — davor wird alles weich

Die Laute, die es im Deutschen nicht gibt

Schwedisch hat zwei Zischlaute, für die das deutsche Ohr zunächst keine Schublade hat. Sie zu unterscheiden ist der halbe Weg zu verständlicher Aussprache.

sje-ljudet ɧ

Der dunkle Zischlaut

Irgendwo zwischen deutschem sch und dem ch in „Buch“, weit hinten gebildet, oft mit Lippenrundung. Klingt für deutsche Ohren fast wie ein gehauchtes huch. Die Aussprache schwankt stark je nach Region — niemand wird Sie dafür schief ansehen.

Geschrieben als: sj-, stj-, skj-, sch-, ch-, -sion, -tion, und sk- vor weichem Vokal.

  • sjö — See
  • sju — sieben
  • stjärna — Stern
  • skjorta — Hemd
  • sked — Löffel
  • dusch — Dusche
  • station — Bahnhof
tje-ljudet ɕ

Der helle Zischlaut

Vorne im Mund, ungefähr wie das ch in „ich“, nur schärfer und mit mehr Zischen — etwa das deutsche chj in einem gehauchten „Chiemsee“.

Geschrieben als: tj-, kj-, und k- vor weichem Vokal.

  • tjugo — zwanzig
  • kjol — Rock
  • kyrka — Kirche
  • köpa — kaufen
  • kär — verliebt
  • kött — Fleisch
stumme Anfänge

Vier Buchstabenpaare, ein Laut

Am Wortanfang verstummt der erste Buchstabe komplett. Übrig bleibt jedes Mal ein schlichtes deutsches j.

schreibt manspricht man
hj-hjärta → järta (Herz)
lj-ljus → jus (Licht)
dj-djur → jur (Tier)
gj-gjorde → jorde (tat)
Merke: hjälp ist „jelp“ — nicht „hjelp“. Das gilt nur am Wortanfang.
retroflex

Wenn r etwas verschluckt

Trifft ein r auf d, t, n, l, s, verschmelzen beide zu einem Laut, der mit zurückgebogener Zunge gebildet wird. Das r selbst verschwindet dabei hörbar.

  • rsʂ wie „sch“: först, kors, Lars
  • rtkort (Karte), svart (schwarz)
  • rdbord (Tisch), gård (Hof)
  • rnbarn (Kind), järn (Eisen)

Das funktioniert auch über Wortgrenzen: för sent klingt wie „fö-schent“.

Wörter, die anders klingen als sie aussehen

Eine kurze Liste, die überproportional viel bringt: Das sind Hochfrequenzwörter, und alle vier werden konsequent falsch gelesen.

geschriebengesprochenbedeutet
ochock, im Redefluss oft nur „å“und
detdees / das
de / dembeide: domsie / ihnen
mig / dig / sigmej / dej / sejmich / dich / sich
mycketmyckeviel / sehr
äre (unbetont)ist / bin / sind
attå (als Infinitivpartikel)zu / dass
jagjaich
Schreibtipp: de und dem klingen identisch — deshalb verwechseln auch Schwed:innen sie ständig. de ist Subjekt („sie machen“), dem ist Objekt („ich sehe sie“).

Der Tonakzent

Das Singende am Schwedischen ist kein Zufall, sondern bedeutungsunterscheidend. Es gibt zwei Wortmelodien.

Akzent 1 — akut

Ein einzelner Melodiegipfel, wie im Deutschen. Typisch für einsilbige Wörter und ihre bestimmten Formen.

Akzent 2 — grav

Zwei Gipfel: Der Ton fällt und steigt in der zweiten Silbe noch einmal an. Typisch für zweisilbige Wörter, deren Grundform schon zweisilbig war.

Minimalpaare

Gleich geschrieben, verschieden gemeint

WortAkzent 1Akzent 2
andendie Enteder Geist
tomtendas Grundstückder Weihnachtsmann
burender Käfiggetragen
stegendie Leiterdie Schritte

Beruhigend: Man wird auch mit dem falschen Akzent verstanden. Der Kontext trägt fast immer.

Substantive: zwei Geschlechter, angehängte Artikel

Der größte Unterschied zum Deutschen: Der bestimmte Artikel ist keine eigenes Wort, sondern eine Endung.

Genus

en oder ett

Statt drei Geschlechtern gibt es zwei: Utrum (en-Wörter, rund 75 % aller Substantive) und Neutrum (ett-Wörter). Ein deutsches Geschlecht sagt dabei nichts vorher — das Buch ist en bok, der Tisch ist ett bord.

Endungen, die verlässlich sind:

  • -a, -are, -ing/-ning, -het, -else, -dom, -lek, -ion → en
  • -um, -eri, -ande/-ende, -gram, -ment → ett

Alles andere: mitlernen. Am besten nie ein Substantiv ohne Artikel notieren.

Bestimmtheit

Der Artikel klebt hinten dran

unbestimmtbestimmt
Utrumen bilbilen
Neutrumett hushuset
Plural (u)bilarbilarna
Plural (n)hushusen
Doppelte Bestimmtheit: Kommt ein Adjektiv dazu, braucht man beides — vorangestellten Artikel und Endung: den stora bilen, det stora huset, de stora bilarna.
Plural

Fünf Deklinationen

Gr.EndungBeispielbest. Plural
1-oren flicka → flickorflickorna
2-aren bil → bilarbilarna
3-eren park → parkerparkerna
4-nett äpple → äpplenäpplena
5ett hus → hushusen

Faustregeln: Wörter auf -a gehen in Gruppe 1. Neutra auf Vokal in Gruppe 4, Neutra auf Konsonant in Gruppe 5. Wörter auf -are bleiben unverändert (lärare → lärare).

Unregelmäßig: en bok → böcker, en man → män, ett öga → ögon, ett öra → öron, en hand → händer, en fot → fötter.

Verben: die gute Nachricht

Schwedische Verben werden nicht nach Person gebeugt. Eine Form gilt für alle.

geschenkt

Eine Form, sechs Personen

jag är · du är · han är · vi är · ni är · de är

jag talar · du talar · vi talar · de talar

Auch das Passiv ist einfach: ein angehängtes -s genügt. Boken läses — das Buch wird gelesen.

Konjugation

Vier Verbgruppen

Gr.InfinitivPräsensPräteritumSupinum
1talatalartaladetalat
2aringaringerringderingt
2bköpaköperköpteköpt
3boborboddebott
4skrivaskriverskrevskrivit

Gruppe 1 ist mit Abstand die größte und die einzige, die noch produktiv ist: Neue Verben landen automatisch dort (googla → googlade).

Perfekt = har + Supinum: Jag har skrivit ett brev.

auswendig

Die unentbehrlichen Unregelmäßigen

InfinitivPräs.Prät.Supinum
varaärvarvarit
haharhadehaft
göragörgjordegjort
gårgickgått
sesersågsett
fårfickfått
vetavetvisstevetat
sägasägersasagt
kommakommerkomkommit
tatartogtagit
ätaäteråtätit
drickadrickerdrackdruckit
Modalverben

Ohne att

Nach Modalverben steht der blanke Infinitiv — wie im Deutschen, ohne „zu“.

  • kan — kann · Jag kan simma.
  • vill — will · Jag vill åka hem.
  • ska — werde/soll · Vi ska fika.
  • måste — muss · Du måste läsa.
  • får — darf · Får jag komma in?
  • brukar — pflegt zu · Jag brukar läsa på kvällen.

Falle: Jag vill heißt „ich will“, nicht „ich werde“. Zukunft ist ska oder kommer att.

Satzbau: fast wie Deutsch, mit einer Ausnahme

Schwedisch ist wie Deutsch eine V2-Sprache. Der Unterschied liegt im Nebensatz — und da lohnt sich eine Eselsbrücke.

Hauptsatz

Das Verb steht an zweiter Stelle

Egal was vorne steht — das gebeugte Verb kommt als zweites Satzglied.

  • Jag åker till Stockholm idag.
  • Idag åker jag till Stockholm.
  • Till Stockholm åker jag idag.

Aber: Das zweite Verb bleibt vorne beim ersten, es wandert nicht ans Satzende wie im Deutschen.
Jag har läst boken idag. — Ich habe das Buch heute gelesen.

BIFF

Die einzige Regel, die man merken muss

Bisats — Inte — Före — Finita verbet

Im Nebensatz steht inte (und jedes andere Satzadverb wie alltid, ofta, kanske) vor dem gebeugten Verb — im Hauptsatz dahinter.

  • Hauptsatz: Han kommer inte.
  • Nebensatz: Jag vet att han inte kommer.
  • Hauptsatz: Hon har alltid tid.
  • Nebensatz: … eftersom hon alltid har tid.

Und anders als im Deutschen bleibt die Wortstellung im Nebensatz sonst gleich — das Verb wandert nicht ans Ende.

Adjektive

Drei Formen genügen

KontextFormBeispiel
en-WortGrundformen stor bil
ett-Wort+ tett stort hus
Plural+ astora bilar
bestimmt+ aden stora bilen

Steigerung: stor – större – störst, bra – bättre – bäst, dålig – sämre – sämst, gammal – äldre – äldst.

Fragen

Ohne Hilfsverb

Kein do, kein Umweg — einfach Verb nach vorne.

  • Talar du svenska? — Sprichst du Schwedisch?
  • Var bor du? — Wo wohnst du?
  • Varför kommer du inte? — Warum kommst du nicht?
  • Vad heter du? — Wie heißt du?
  • Hur mycket kostar det? — Was kostet das?

Wörter, für die es kein deutsches gibt

Kein Kuriositätenkabinett — das sind Alltagswörter, die in jedem zweiten Gespräch vorkommen und deren Fehlen im Deutschen man erst merkt, wenn man sie kennt.

lagom

Nicht zu viel, nicht zu wenig — genau richtig. Funktioniert als Antwort auf fast alles: Hur var kaffet? — Lagom. Gilt als nationale Selbstbeschreibung und ist dabei völlig unpathetisch gemeint.

fika

Verb und Substantiv: Kaffee trinken, mit etwas Süßem, mit Menschen, mit Zeit. Kein Snack, sondern ein Format. Ska vi fika? ist eine soziale Einladung, keine Frage nach Koffein.

orka

Die Energie für etwas haben. Jag orkar inte heißt weder „ich kann nicht“ noch „ich will nicht“, sondern: mir fehlt die Kraft dafür. Ein Wort, das viel Höflichkeit erspart.

hinna

Es zeitlich schaffen. Hinner du? — Reicht dir die Zeit? Deutsch braucht dafür immer einen Nebensatz.

mysig

Gemütlich, aber wärmer und geselliger. Ein Abend ist mysig, ein Café auch, ein Mensch ebenfalls. Verwandt: att mysa — es sich schön machen.

duktig

Gut in etwas, tüchtig. Wird ohne jede Ironie und ständig verwendet, auch unter Erwachsenen: Vad duktig du är!

jobbig

Anstrengend, mühsam, nervig — für Aufgaben, Situationen und Personen gleichermaßen. Das meistgebrauchte Beschwerdewort des Landes.

allemansrätten

Das Jedermannsrecht: Man darf sich in der Natur frei bewegen, zelten und Beeren pflücken, auch auf fremdem Grund — solange man nicht stört und nichts zerstört. Rechtsbegriff und Lebensgefühl in einem.

Bibliotheksschwedisch

Falls Sie irgendwann in Uppsala oder Göteborg im Katalog stehen: der Fachwortschatz, den man dort tatsächlich liest.

SchwedischDeutschAnmerkung
ett bibliotekBibliothekNeutrum!
en bibliotekarieBibliothekar:inPl. bibliotekarier
en bok · böckerBuch · Bücherunregelmäßiger Plural
en hyllaRegalhyllsignum = Signatur
en katalogKatalogPl. kataloger
att sökasuchenen sökning = die Suche
ett sökordSuchbegriffwörtl. „Suchwort“
ett ämnesordSchlagwortämne = Thema, Fach
en tidskriftZeitschriftvs. tidning = Zeitung
att lånaausleihenett lån = Ausleihe
ett lånekortBibliotheksausweiswörtl. „Leihkarte“
en låntagareNutzer:inwörtl. „Leihnehmer“
en läsesalLesesaal
ett magasinMagazin, Depotauch: Zeitschrift
ett arkivArchiv
en avhandlingDissertation
en uppsatsAufsatz, Seminararbeit
ett fjärrlånFernleihefjärr- = fern
en förvärvningErwerbungauch inköp
att gallraaussondernwörtl. „ausdünnen“ (Forstwirtschaft!)
Schön: gallra kommt aus der Waldpflege — Bäume ausdünnen, damit der Bestand gesund bleibt. Die schwedische Bibliothekssprache nennt Aussonderung also nach dem Bild eines Waldes, der Licht braucht.

Komposita: Schwedisch erklärt sich selbst

Wie im Deutschen werden Wörter zusammengesetzt — nur oft anschaulicher. Wer die Teile kennt, errät die Bedeutung.

Wortwörtlichbedeutet
dammsugareStaub-SaugerStaubsauger
tandköttZahn-FleischZahnfleisch
grönsakerGrün-SachenGemüse
nyckelpigaSchlüssel-MagdMarienkäfer
smörgåsButter-Gansbelegtes Brot
tvättbjörnWasch-BärWaschbär
fladdermusFlatter-MausFledermaus
eldsjälFeuer-Seelebegeisterte:r Antreiber:in
kärlekLieb-SpielLiebe
vardagsrumAlltags-RaumWohnzimmer
sjukhusKrank-HausKrankenhaus
Warnung: Getrennt geschrieben ändert sich alles. en brun hårig sjuksköterska ist eine braune, haarige Krankenschwester; en brunhårig sjuksköterska eine braunhaarige. Schwed:innen nennen das särskrivning und regen sich darüber genauso auf wie Deutsche über Deppenleerzeichen.

Erste Sätze, die tragen

Begrüßen und verabschieden

Hej!Hallo (immer richtig)
Hej hej! / Tjena!Hi (locker)
Hej då!Tschüss
Vi ses!Bis bald
Tack!Danke
Tack så mycket!Vielen Dank
VarsågodBitte (beim Geben)
FörlåtEntschuldigung

Sich durchfragen

Talar du engelska?Sprichst du Englisch?
Jag förstår inte.Ich verstehe nicht.
Kan du säga det igen?Kannst du das wiederholen?
Vad betyder det?Was bedeutet das?
Hur säger man … på svenska?Wie sagt man … auf Schwedisch?
Jag lär mig svenska.Ich lerne Schwedisch.
Långsammare, tack.Langsamer, bitte.

Spelrummet

Sechs Übungen, jede zu genau einer Sache, die Deutschsprachigen im Schwedischen schwerfällt. Jede Antwort kommt mit der Regel dahinter — Raten allein bringt nichts.